Mehr Enteignung wagen?

Mehr Enteignung wagen?

Im Stadtpalais trifft sich eine Diskussionsrunde zum Thema „Zukunft des Wohnens in Stuttgart“. Anlass sind, laut Veranstalter, u.a. die zu hohen Mieten und die zahlreichen, unwirtlichen Plätze. Im Laufe der Diskussion wird klar:

Man müsse jetzt endlich „vom Verwalten zum Gestalten kommen“. Gestalten soll heißen: Die Stadt müsse eine „aktive Bodenpolitik betreiben“, Boden kaufen und den Markt mitgestalten, „gemeinwohlorientiert verdichten“. Insbesondere sei es wichtig, die Situation für „Mietende“ zu verbessern. Im Fokus stehen dabei also die zahlreichen Mieter in der Stadt – Eigentümer gibt es ja leider nicht so viele.

Schließlich kommt man zu dem Schluss, Stuttgart müsse „mehr Wien wagen“. In Wien gibt es besonders viele Wohnungen, die, aus historischen Gründen, Eigentum der Kommune sind. Würde man dies auf Stuttgart übertragen, hieße das ja, die Stadt müsse dafür sorgen, dass möglichst viele privat vermietete Wohnungen in kommunales Eigentum übergehen, oder eben, neues Bauland bliebe in öffentlicher Hand. Wird dann aus „mehr Wien wagen“ plötzlich „mehr Enteignung wagen“?

Die „gemeinsame Haltung“, und ein „neues Verständnis“ sind weitere Schlagwörter, die in diesem Zusammenhang verwendet werden und verdächtig nach Sozialismus klingen. Der richtige Weg wäre, Wohneigentum zu fördern und erschwinglicher zu machen, um möglichst vielen Bürgern damit dauerhaft die Mieten zu ersparen.