Mehr Fantasie statt Ideologie!

Mehr Fantasie statt Ideologie!

Ende November des letzten Jahres verwandelte sich die Messe Stuttgart erneut in ein Sammelbecken für Film und Serienfreunde, Cosplayer und Gamer. Die ComicCon, die Jahr für Jahr tausende Besucher anzieht, gilt inzwischen als fester Termin im süddeutschen Veranstaltungskalender. Was einst als Treffpunkt für Fans begann, hat sich zu einem der größten Popkulturereignisse der Region entwickelt, deutlich inspiriert vom Vorbild aus San Diego. Hollywoods Einfluss ist dabei unverkennbar. Er öffnet Tore zur Fantasie, prägt jedoch zunehmend auch Haltungen und Narrative. Diese Ambivalenz ist nicht neu, tritt jedoch von Jahr zu Jahr deutlicher hervor.

Popkultur wird immer stärker zur Bühne gesellschaftspolitischer Botschaften. Unter dem Deckmantel von Vielfältigkeit und Inklusion setzt sich zunehmend ein klar erkennbares links-progressives Narrativ durch, das ideologisch gefärbte Inhalte transportiert und den ursprünglichen, unbeschwerten Charakter der Veranstaltung verdrängt. Besonders sichtbar wird dies in eigens ausgewiesenen Themenbereichen wie der sogenannten „Queer Avenue“, in denen dieser woke Zeitgeist offen inszeniert und als normativ gesetzt wird. Solche inhaltlichen Ausrichtungen stehen in einem deutlichen Spannungsverhältnis zum Anspruch eines familienfreundlichen Events. Popkultur sollte verbinden und begeistern, nicht belehren oder umerziehen.

Auffällig ist zudem, dass sich auf der ComicCon zunehmend Besuchergruppen wiederfinden, oft auch als sogenannte „Weeaboos“ bezeichnet, die ihre eigene kulturelle Verortung ablehnen und sich vollständig in fremde Identitätsmuster flüchten. Popkultur darf jedoch kein Ersatz für eigene Wurzeln sein. Sie sollte das Eigene stärken, unsere Geschichten, unsere Sprache, unsere Helden. Je näher an der eigenen kulturellen Erfahrungswelt, desto glaubwürdiger und lebendiger. Nicht aus Abgrenzung, sondern aus Selbstachtung und kultureller Eigenständigkeit.

Gerade weil die ComicCon ein jährlich wiederkehrendes Ereignis ist, fällt auf, wie sehr sie sich schrittweise dem jeweils dominierenden Zeitgeist unterordnet. Popkultur sollte jedoch wieder als das verstanden werden, was sie im Kern ist: Ausdruck gemeinsamer Begeisterung, kreativer Freiheit und freiwilliger Teilhabe, frei von politisch motivierter Bevormundung. Daran sollte erinnert werden, wenn über solche Veranstaltungen berichtet wird.