Pressecafé ohne Mehrwert

Pressecafé ohne Mehrwert

Wir betreten den schwach ausgeleuchteten Saal und setzen uns an einen der kleinen, runden Tische, die für das Publikum bereitstehen. Als wir Richtung Bühne blicken, fällt uns ein schon älterer Herr auf. Das wird er wohl sein – ein Journalist der „Stuttgarter Zeitung“, der gleich einen Vortrag zum Thema „Deutschland nach der Bundestagswahl“ im Rahmen einer Veranstaltungsreihe der Volkshochschule namens „Pressecafé“ am „Treffpunkt Rotebühlplatz“ halten wird. Nach einleitenden Worten der Moderatorin präsentiert er uns erstmal viele Zahlen und Tabellen zur vergangenen Bundestagswahl. Wir haben dabei nicht das Gefühl, wirklich Neuigkeiten zu erfahren. Der Politik-Editor, der seine Karriere wohl als Mitgestalter des „linken Marschs durch die Institutionen“ bestritt, bietet eine Analyse an, die entsprechend einseitig ausfällt. Besonders seine Sichtweise zur Migrationskrise wirkt auf uns vereinfachend und verharmlosend. Während des Vortags ist der Hauptschuldige allen Übels schnell gefunden: US-Präsident Donald Trump. Nach der Lesart des Journalisten öffnet er Tür und Tor des sich weltweit ausbreitenden Rechtspopulismus und, noch schlimmer, gefährdet massiv die westlichen Demokratien. Eine differenzierte Betrachtung der Verhältnisse in den USA und die dadurch entstandene mehrheitliche Zuwendung der Bevölkerung zu Trump lässt er vermissen. Ganz ähnlich verhält es sich auch bei der seltsamen Darstellung der Zustände im eigenen Land. Die AfD ist böse und muss weg – dann wird sicher alles gut.